Inhalt

Dokumentarfilm D 2016 | 92 Minuten

„ein Film, der Mut macht“ Hamburger Abendblatt
„eine kurzweilige Langzeitbeobachtung in der Provinz“ Hamburger Morgenpost
„ein unterhaltsamer und stimmiger Dokumentarfilm“ Filmdienst

Oberndorf, ein Dorf im Mündungsgebiet der Elbe. Die Gemeindekasse ist leer, Arbeitsplätze sind rar, kleine Höfe werden aufgegeben. Doch einige Dorfbewohner wollen sich nicht mit dem drohenden Niedergang abfinden. Sie machen gemeinsam eine Kneipe auf und fassen einen kühnen Plan – sie wollen Geld zur Rettung des Dorfes verdienen. Die Basis ihrer Geschäftsidee ist Gülle, die es hier im Überfluss gibt. Mit Hilfe von Berliner Projektentwicklern gründen sie eine Bürgeraktiengesellschaft und entwerfen ein außergewöhnliches Geschäftsmodell. Der Rohstoff aus den Kuhställen soll die Energie liefern für die Aufzucht von afrikanischen Welsen und: Bananenbäumen!

Die mutige Idee beflügelt immer mehr Leute: Einheimische und Zugereiste, Erwachsene und Kinder fangen an zu träumen und krempeln mit weitem Blick die Ärmel hoch. Doch dann soll die Schule geschlossen werden, und bis die ersten Fische kommen, ist es ein langer Weg …

Über einen Zeitraum von drei Jahren erzählt die Filmemacherin Antje Hubert von dieser kleinen, aber dynamischen Bewegung – getragen von ganz unterschiedlichen Menschen, die nach und nach nicht nur ihr Dorf, sondern auch sich selbst verändern.
VON BANANENBÄUMEN TRÄUMEN ist ein Film, dessen positive Aufbruchsstimmung gleichermaßen inspirierend und berührend ist.

Protagonisten

die Erwachsenen

Jörn Nagel Landwirt & Busfahrer
Sibyll Amthor Grafik-Designerin
Barbara Schubert Grafik-Designerin
Bert Frisch Kapitän & Rentner, früher Marketing-Chef
Marlene Frisch Rentnerin, früher Sekretärin
Christiane Möller Schulleiterin der Grundschule
Markus Haastert Projektentwickler, BE Solutions & Blue Systems Design GmbH, Berlin
Anne-Kathrin Kuhlemann Ökonomin, BE Solutions & Blue Systems Design GmbH, Berlin
Lars Medenwald Druckingenieur
Detlef Horeis Bürgermeister von Oberndorf

die Kinder

Knut Medenwald, Henrik von See, Timon Elsen & Maxi Wist
sowie viele andere Kinder und Erwachsene aus Oberndorf und Umgebung

Statement

Regisseurin Antje Hubert

Ich habe Oberndorf im Februar 2013 kennengelernt, als ein Film von mir in der Aula der Grundschule gezeigt wurde. An den Wänden hingen Bilder von bunten Pinguinen, das „Mobile Kino Niedersachsen“ hatte den Projektor aufgebaut, und obwohl an diesem Abend ein wichtiges Fußball-Länderspiel war, waren die Stuhlreihen voll besetzt. Der Blick ins Publikum war ungewohnt: es war tatsächlich das halbe Dorf da, alte Leute saßen neben den Jungen, Männer und Frauen, sogar ein paar Kinder waren gekommen. Die Leute gingen auch nach der Vorführung noch nicht gleich nach Hause. So erfuhr ich von den vielen Plänen und dem Kampfgeist, mit dem die Leute hier für ihr Dorf eintreten. Und ich lernte Barbara Schubert und Sibyll Amthor kennen, zwei Frauen etwa in meinem Alter, die von der Stadt aufs Land gezogen waren. Die beiden stellten sich damals Fragen, die auch mich bewegten: Wie wollen wir eigentlich leben? Und inwiefern können wir selbst gestalten, wie die Welt, in der wir leben, aussehen soll?
Meine Filme brauchen immer diesen persönlichen Impuls. Ich bin selbst auf einem Dorf groß geworden und beobachte seit langem, wie die Dörfer immer mehr ausbluten. Das ist längst ein europaweites Phänomen, welches dringend viel mehr in den öffentlichen Fokus gehört.
Mich hat fasziniert, dass in Oberndorf nicht gejammert wird, sondern dass die Leute sich trotz aller Niederlagen um die Lösung ihrer Probleme bemühen und sich dabei auch auf die Expertise von Auswärtigen einlassen.

Wir haben die Freundlichkeit im Dorf sehr genossen und sehr leicht Zugang zu den Menschen finden können. Ich arbeite immer nur in einem sehr kleinen Team, um die Atmosphäre der Gespräche und der Situationen, in denen wir uns bewegen, möglichst nicht zu stören. Wir waren sehr schnell ein Teil der “Dorfbewegung” und ich bin sehr dankbar, dass sich alle so sehr an uns gewöhnt und meine Neugier zugelassen haben. Mit Andreas Stonawski hatte ich einen tollen Kameramann an meiner Seite, der sehr sensibel die jeweiligen Stimmungen eingefangen hat.

Am meisten hat mich berührt, dass auch die Kinder anfangen haben, einen Club zur Rettung der Umwelt zu gründen und mit liebenswerter Entschlossenheit ihr Ziel verfolgen. In ihrem Spiel erkennt man die Idee, die auch die Erwachsenen antreibt: von großen Dingen zu träumen und danach zu handeln. Dazu braucht es Mut, denn die Sache mit der Gülle, den Fischen und den Bananen ist ja lange Zeit nur eine Vorstellung, fixiert auf riesige Baupläne und die Genehmigung verzögert und verzögert sich. Ich finde es immer noch unglaublich, dass in Oberndorf jetzt tatsächlich diese Anlage steht. Aber sie haben es geschafft! Die Bananen werden vielleicht nur ein Traum bleiben, aber wer weiß, was in dem Dorf noch alles passiert.

In den Film wollte ich diesen Mut, große Ideen zu verfolgen, immer wieder sichtbar machen, und dem Animationsfilmer Rainer Ludwigs sind dazu ganz wunderbare Miniaturen gelungen.
Auch der Titel verkörpert diesen Pioniergeist und stammt im Übrigen von meiner Tochter.
Für Kinder ist diese Art zu denken viel selbstverständlicher als für uns Erwachsene. Wir müssen immer wieder daran erinnert werden, dass Träume wichtig sind.

Es ist und bleibt immer ein Risiko, sich auf neue Wege einzulassen, und wie man im Film sieht, brauchen diese viel Zeit und immer wieder die offene Diskussion darüber, ob man auf dem richtigen Weg ist. Das kann anstrengend sein, aber wenn es irgendwo gelingen kann, dann in Oberndorf.
Die Filmeditorin Magdolna Rokob und ich haben fast 5 Monate lang am Schnitt gearbeitet und unglaublich viele Varianten der Filmerzählung gebaut, bis am Ende diese Variante den Schneideraum verlassen hat.
Ich hoffe, dass wir darin den unglaublichen Pioniergeist einfangen konnten, und ich glaube, auch der Filmmusiker Roland Musolff hat viel dazu beigetragen, dass sich dieser positive Geist im Publikum entfalten kann. Ich wünsche mir, dass wir Mut machen und dazu beitragen können, dass die schwierige Situation ländlicher Gebiete auch als Chance wahrgenommen wird, an einer demokratischen, weltoffenen und zukunftsfähigen Gesellschaft zu arbeiten.